Shikoti is calling (Kenia – Part I )

Es ist Samstag morgen. Ich glaube, halb zehn. Eine Uhr habe ich nicht. Brauche ich hier auch nicht. Draußen zwitschern die Vögel und einer von ihnen klingt sogar wie ein Uhu. Ein Hahn kräht in unterschiedlichen Intervallen und die Kuh hinter unserem Haus macht sich auch nicht die Mühe, den Lärmpegel unten zu halten. Das laute Zirpen der Zikaden, welche sich gestern abend wirklich allergrößte Mühe gaben, uns am Einschlafen zu hindern, ist allerdings verstummt. Vor unserer Tür höre ich, wie jemand den Hof fegt, auf welchem Kinder spielen und lachen. Stimmen aus dem Nachbarzimmer kann ich ebenso hören. Alle scheinen schon auf den Beinen zu sein. Nur wir noch nicht. Aber das ist auch kein Wunder nach einer fast 26-stündigen Reise, denn wir befinden uns nicht auf einem abgelegenen Bauernhof irgendwo in den Alpen, sondern im Westen Kenias – im Dorf Shikoti, in der Nähe des Viktoriasees.

Die folgenden Bilder entstanden auf der Fahrt von Kisumu nach Kakamega.


 


 


 



Auf dem Weg nach Shikoti gabs zwei Kilometer vor dem Ziel leider eine Reifenpanne. Allerdings sind die Menschen in sowas hier sehr geübt und innerhalb von 10 Minuten war das Problem beseitigt.


Die letzten Meter legten wir dann zu Fuß zurück wobei wir tatkräftige Hilfe von einem Teil unserer Familie erhielten.


Folgender Blick bot sich uns nachdem wir angekommen sind.


Dirks Haus. Unser Domizil für die nächsten 2 Wochen.


Unsere Dusche.


Unsere Toilette.

Für mich ist es die erste Reise nach Afrika. Für meinen Arbeitskollegen und Reisebegleiter Dirk ist das hier bereits Alltag. Er besucht Afrika seit bereits mehr als 20 Jahren und kennt Land und Leute sehr gut. Er spricht zudem fließend Suaheli (die Landessprache). Ohne ihn wäre ich hier ziemlich aufgeschmissen. Viele Menschen sprechen hier zwar Englisch und können mich auch verstehen aber mit Dirk an meiner Seite kann ich mich Ihnen auf eine ganze andere Art und Weise nähern. Speziell auch der 20-köpfigen Familie bei der wir wohnen. Sie bezeichnen mich bereits als Bruder und sehen mich als Teil der Familie an. Ein paar Kinder sind zwar noch etwas schüchtern und beäugen mich aus der Ferne und grinsen dabei, aber ich denke das wird sich in den kommenden zwei Wochen noch legen.


Hier in Kenia wird es bereits sehr zeitig dunkel. Gegen 19Uhr setzt die Nacht ein.

Das Essen hier ist fantastisch. Am ersten Abend gab es Pommes mit Hühnchen. Das Hühnchen wurde natürlich eigenhändig geschlachtet und die Pommes aus Kartoffeln geschnitten. Für mich gab es dazu ein Omlette, da ich Vegetarier bin. Gekocht wird hier über einer offenen Feuerstelle in einem seperaten Kochhaus. Eine Abzugshaube gibt es nicht. Der Rauch steigt an die Zimmerdecke und sucht sich seinen Weg aus den Löchern des Wellblechdaches. Atmen kann man nur unten am Boden. Da es am Abend hier relativ kühl wird (10-15 Grad) ist dies der wärmste Raum. Viele Kinder sitzen mit in der Küche und schauen den Frauen beim Zubereiten zu.


Caterine ruht sich für eine Sekunde in der Küche aus.


Caterine und Celestine bereiten  jeden Abend zusammen das Essen für die Familie zu.


Die Kinder schauen ihren Müttern beim Zubereiten über die Schulter.


Mein erstes Abendessen. Unglaublich lecker.

Die Frauen übernehmen hier in der kenianischen Gesellschaft einen unverzichtbaren Wert. Sie sind für alle häuslichen Dinge zuständig. Wäsche waschen, Kühe melken, Essen zubereiten, Tiere schlachten, Wasser holen, den Kindern nachräumen bzw. sich um die Kinder kümmern usw usw. Eine wirkliche Mammutaufgabe die es Tag für Tag zu bewältigen gilt.
Der Mann ist hingehen dafür zuständig, das Geld für den Haushalt zu erwirtschaften. Im Falle unserer Familie sorgt Harun, der Älteste (53Jahre) dafür. Er verkauft Ziegel bzw. Backsteine, die er selbst aus einer schlammigen Masse, welche er seinem Boden entnimmt, formt und brennt. 5-6 Schilling erhält er für einen Ziegel, das sind umgerechnet rund 4-5 Cent. Davon allein kann er aber die Familie nicht ernähren. Auf seinem Grundstück baut er deswegen noch Zuckerrohr an, welches den meisten Gewinn bringt. Einen kleinen Fischteich hat er sich auch noch angelegt um Fische an die Nachbarn verkaufen zu können.


Harun füttert die Fische.

Harun baut nebenbei aber auch noch Süßkartoffeln, Mangold, Bohnen, Yamwurzeln, Avocados und Mangos für den Eigenverbrauch an. Die Bedingungen für Landwirtschaft sind in dieser Gegend sehr gut. Zwei Ernten im Jahr sind möglich. Allerdings ist dies sehr wetterabhängig. Regnet es zu viel, verfault die Ernte, regnet es zu wenig, vertrocknet das meiste. Der Klimawandel hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Während man sich noch vor zwei Generationen auf regelmäßige Regen- und Trockenzeiten einstellen konnte, ist dies nun sehr unbeständig geworden. Allerdings weiß unsere Familie damit umzugehen und schafft es meistens alle zu ernähren.


Unsere kleine Farm. Links von der Kuh werden Bananen und Süßkartoffeln angebaut. Rechts von ihr wird in großen Mengen Zuckerrohr angebaut.


Haruns Grundstück nach hinten raus.


Mondaufgang auf kenianische Art.


Fast täglich kann man am Himmel ein kleines Wetterleuchten vom Viktoriasee sehen.

Über die Jahre hinweg und durch seine regelmäßigen Besuche wurde Dirk zu einem Teil der Familie und beide Seiten wussten diese Verbindung zu schätzen.
Dieses mal ist Dirk jedoch hier, um einer vor der Schließung bedrohten Schule zu helfen. Es handelt sich dabei um die Shikoti Primary School (1. – 8. Klasse), welche vom Staat kaum noch Geld bekommt und nun nur noch von der örtlichen Kirche etwas Unterstützung erhält. Dirk will einen Schüleraustausch zwischen einer deutschen Schule in der Lüneburger Heide und dieser kenianischen Schule einrichten. Mit Hilfe dieses Projektes erhofft er sich eventuell Fördergelder in Deutschland akquirieren zu können welche zum einen Teil der Schule in Deutschland aber vor allem auch in Kenia zu Gute kommen, denn ein Wegfall der Schule würde dazu führen, dass die Kinder jeden Tag einen Weg von 10km in die nächst größere Stadt Kakamega auf sich nehmen müssten. Ich begleite Dirk dabei fotografisch. Am Mittwoch werden wir erstmals in die Schule gehen, um die Kinder kennenzulernen, aber auch um uns ein Bild vom Innenleben der Schule zu machen. Wir werden Interviews mit den Verantwortlichen führen und Bilder von einzelnen Kindern machen, um so einen Steckbrief für jedes Kind anfertigen zu können, welchen wir dann den Kindern in Deutschland zeigen werden. Wir können es kaum erwarten, zu beginnen.


Erste Ortsbesichtigung. Dirk, Harun und Ludo stehen vor dem Eingang der Shikoti Primary School. Am Mittwoch wird hier unsere Arbeit starten.

 
Zu den Personen:


Dirk Sültrop
– 52 Jahre alt
– Buchhalter bei Enjoyyourcamera.com


Martin Neumann
– 25 Jahre alt
– Technik Support bei Enjoyyourcamera.com
– Student an der FH Hannover im Bereich Fotojournalismus und Dokumentarfotografie

 

Wir bedanken uns bei unserem Chef Ingo noch mal für die finanzielle Unterstützung.

3 Gedanken zu “Shikoti is calling (Kenia – Part I )

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