Kleiner Ausflug mit dem Magic Objektiv 35mm f/1.7 für Sony NEX und Olympus MFT

Von Dieter Faustmann

Ich gebe zu, ich war sehr misstrauisch, als vor ein paar Tagen mein Chef im Büro stand und mir das Magic Objektiv für die Sony NEX mit dem E-Bajonett und für die Olympus mit dem MFT Bajonett in die Hand drückte.

Slr Magic an der Sony NEX

Slr Magic an der Sony NEX

Was sollte das sein? Ein rein manuell einzustellendes Objektiv, klein und handlich zwar, aber, so wurde mir versichert, mit ein paar interessanten Eigenschaften, die kreativ nutzbar seien.

Soso.

Ich bin ja generell immer skeptisch eingestellt, wenn es um solche Produkte geht, von denen ich noch nie etwas gehört habe: Bei diesem Objektiv handelt es sich um eine sogenannte CCTV-Linse, wie man sie beispielsweise an Überwachungskameras und ähnlichen Geräten finden kann. Diese Information musste ich aber erst mal selber recherchieren und herausfinden.

Scharfstellen per Display geht so leicht, wie mit jedem anderen, adaptiertem Glas an der Kamera

Scharfstellen per Display geht so leicht, wie mit jedem anderen, adaptiertem Glas an der Kamera

Bisher musste man, um ein solches Objektiv an einer Kamera nutzen zu können, nach einem sogenannten C-Adapter Ausschau halten. Es bestand bei diesen Adaptern immer das Risiko, dass der Bildkreis für ein solches Objektiv nicht dem tatsächlichem Radius für den Sensor entsprach – Ergebnis: Dunkle, bis schwarze Ecken und andere, ärgerliche Einschränkungen, die man in Kauf nehmen musste.

Die SLR-Magic, die wir nun im Programm haben, hat dieses Problem nicht, da sich das entsprechende Bajonett direkt am Objektiv befindet. Es entfällt also das zusätzliche Zwischenschalten eines C-Adapters. Außerdem bleibt der volle Bildkreis für die Sensoren erhalten.

Weiches Wasser mit weicher Optik aufgenommen

Weiches Wasser mit weicher Optik aufgenommen

Ich pappte mir also dieses Objektiv auf die Sony NEX und zog ein wenig durch die Straßen und die Bildergebnisse sehen sie bereits auf dieser Seite. Was Sie nicht sehen können ist der Spaß, den ich nach ein wenig Eingewöhnung beim Fotografieren mit diesem Objektiv hatte.

Die Bilder wurden, wie immer, bereits in Lightroom berabeitet und sehen so aus, wie ich sie farbhaptisch am schönsten finde. Ich weise, wie bei den anderen Tests in diesem Blog, wieder einmal darauf hin, dass die RAW Dateien immer nur Ausgangsmaterial für mich sind, die in jedem Fall weiterverarbeitet werden. Diese Endergebnisse zeige ich hier.

Auf dem folgenden Bild kann man sehr gut sehen, wie unonventionell sich die Schärfebene, je nach Fokussierung, verhält. Bei „normalen“ Objektiven ist sie immer gleich in einer Linie, beim Slr Magic allerdings, wie auf folgendem Bildbeispiel zu sehen, durchaus auch mal versetzt.

Ver-rückte Schärfebene - rechts im Plakat, sowie im Toilettenhäuschen, ein paar Meter dahinter

Ver-rückte Schärfebene - rechts im Plakat, sowie im Toilettenhäuschen, ein paar Meter dahinter

Ein sehr schöner Effekt mit dem SLR Magic ist die manchmal Puppenhafte Miniatur-Anmutung, wie man sie eigentlich nur von Fachkameras her kennt, bzw. mit Tilt und Shift Objektiven – dem sogenannten Scheimpflug-Effekt, wie man hier schön sehen kann. Leider schaute bei der Aufnahme niemand aus einem der Fenster, aber sieht diesen Effekt trotzdem sehr schön, wie ich finde.

Für eine Größere Ansicht einfach auf das Bild klicken.

Puppenhäuser mitten in der Innenstadt

Puppenhäuser mitten in der Innenstadt

Auf dem folgenden Bild sieht man auch das, wie ich finde, sehr schöne Bokeh, das sich bei Offenblende zeigt.

Bokeh bei Offenblende des SLR Magic

Bokeh bei Offenblende des SLR Magic

Hier nun noch ein paar Probeaufnahmen, die ich bei meinem Spaziergang machte.

Shaking the tree

Shaking the tree

Bei folgender Aufnahme mal genau auf den Schärfebereich achten, es ist ein Kreis, innen unscharf, dann ein Ring der Tiefenschärfe und am Rand wieder unscharf – faszinierend.

Gehwegfotografie

Gehwegfotografie

Natürlich kann das Slr Magic auch Abblenden, es verhält sich dann, wie man das von normalen Optiken her gewohnt ist, und bildet scharf ab.

Abgeblendet kann das Slr Magic auch scharf, wie jede andere Optik

Abgeblendet kann das Slr Magic auch scharf, wie jede andere Optik

Die Fokussierung ist leicht und „rund“, folgende Aufnahme machte ich im Gehen aus der Hüfte.

Der Taube ist nichts weiter passiert

Der Taube ist nichts weiter passiert

Alles in allem hatte ich mit dieser Optik, trotz anfänglicher Skepsis, viel Spaß. Es war vor allen Dingen auch mal wieder viel Herumexperimentieren, genau so, wie ich das gerne mag, fern ab vom optischen Einheitsbrei, mit dem man sonst so zu tun hat um glatte, geleckte bilder zu produzieren.

Es gibt sicherlich viele Motive und Situationen, an denen man das SLR Magic ausprobieren kann – die Ergebnisse sind nie genau genau vorhersehbar, was ich grade als seine Stärke empfinde und was den Reiz ausmacht.

Dieses Bild dient nur als Erinnerung für mich, falls ich mit meinem Chef einmal über einen Firmenwagen reden muss

Dieses Bild dient nur als Erinnerung für mich, falls ich mit meinem Chef einmal über einen Firmenwagen reden muss

Und, kein Witz, diese Optik hat mich mit der Sony NEX wieder versöhnt, denn das, was Sony da als eigene Optiken im Angebot hat, kann man meiner Meinung nach nicht ernst nehmen und es hat mir mit den verfügbaren Objektiven auch keine Freude bereitet, die Sony länger als nötig in die Hand zu nehmen, wie man hier nachlesen kann.

Aber auch das ist meine, bescheidene und eigene Meinung.

Gut Licht
Dieter Faustmann

15 Gedanken zu “Kleiner Ausflug mit dem Magic Objektiv 35mm f/1.7 für Sony NEX und Olympus MFT

    • Ich habe gerade das Magic bekommen und bin noch am experimentieren, jedoch für Makro ist es nicht geeignet(ab 35 cm ist zu weit weg). Das scharfstellen am Monitor ist nicht ganz so einfach. Die Grundschärfe ist nicht so super. Dafür ist es echt klein und immer dabei. Die Bildwirkung ist meiner Meinung nach, als ob man mit einer alten Polaroid fotografiert. Machmal mit recht erstaunlichen Ergebnissen. Ich bin mir noch nicht sicher ob ich behalte.

  1. Diese Testbilder sind ganz nach meinem Geschmack, vielen Dank fürs Teilen und Testen. Ich bin schon sehr gespannt. Vorallendingen weil ich mir im Moment meine Olympus nicht ohne meine geliebte CCTV Linse vorstellen kann… Aber es sieht so aus, als könnte auch diese Linse mich sehr begeistern.

  2. Alles schön und gut, die Bildkompositionen gefallen mir, aber wenn man von einem schönen Bokeh spricht, sollte auch irgendwo Schärfe zu sehen sein. Ansonsten ist alles ein wenig „matschig“ – es sei denn, man mag das so!

  3. Sehr interessantes Objektiv. Ich sehe, dass man die Schärfe und die Blende am Objektiv einstellen kann. Wie genau kann man denn den Schärfebereich wie z.B. auf dem Gehwegfoto beeinflussen?

  4. @Damian, das ist genau das Magische: Dieser Unschärfe-Effekt wird durch das Objektiv erzeugt.

    Man muss sich das so vorstellen, dass durch das Scharfstellen nach „hinten“, also von der Chip-Ebene weg, dieser Unschärfebereich sich von der Mitte aus löst und zum Rand wandert.

    Der Schärfepunkt ist im Wortsinne „ver-rückt“😉

    @Alf: Dieses Objektiv ist in der Tat eines der „weicheren“ Sorte, aber ist wirklich nicht unscharf im Sinne der Abbildungsleistung. Das dieses Glas keine Zeiss-Qualität bringen kann, ist auch klar. Wenn ich mir grade vorstelle, wie viele Leute mit den Holgas unterwegs sind, die ja tatsächlich eine Plastiklinse vorne dran pappen haben (Grundmodell), da fällt mir wieder ein, es ist ja alles nur Physik🙂

    Meiner Meinung nach ist das immer etwas von Vorteil, da ich analog aufgewachsen bin (haha, wie das klingt) und mir das Digitale von der Abbildung oftmals zu scharf und hart erscheint; die Realität, also durch das menschliche Auge gesehen, ist nicht so „geleckt“.

    @Winfried: Makros gehen damit tatsächlich nicht, mit dem Scharfstellen ist das nicht immer einfach, betrifft aber alle manuellen Optiken, die man an diese Systeme adaptieren kann.

    Da denke ich mit Wehmut an den schönen Schnittbildindikator der analogen Kameras zurück – ach was, generell an normale Sucher, die ja heutzutage leider gar nicht mehr vorhanden sind, bis auf wenige Ausnahmen. Dafür werden die Displays immer größer, aber besser ist das auch nicht immer.

    Den Adapter gibt es bei uns auch für das MFT-System und die Olympus EP hat beispielsweise einen Aufstecksucher (optional zu erwerben), da geht das einfacher.

    Grüße
    Dieter

  5. Hallo!

    Habe mein SLR Magic am Wochenende bekommen und ein wenig damit an meiner E-P1 herumexperimentiert.

    Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen:

    a) der Blendenring ist bei meinem Exemplar sehr schwergängig. Ist dies grundsätzlich so ?
    b) wenn ich über Blende f/16 hinausdrehe, dann schließen sich die Blendenlamellen komplett (schwarzer LCD). Auch hier die Frage, ob dies normal ist ?
    c) selbst bei Offenblende f/1,7 bekomme ich diese Unschärfe und Miniatureffekte wie hier in diesem Blog gezeigt nicht hin ! Auch eine versetzte Schärfe-Ebene ist mir bis dato nicht aufgefallen/gelungen. Deshalb die Frage, ob dies evtl. mit a) oder b) zusammenhängen könnte oder ich nur zu doof dafür bin.

    Über zu geringe Schärfe kann ich bei meinem Exemplar nicht klagen; zwar kein Panasonic Pancake 20/f1,7, aber wenn man richtig fokussiert und teilweise etwas abblendet in der Mitte ziemlich scharf.

    Aber leider vermisse ich die kreativen Effekte, die ich mir durch die hier gezeigten (mit Verlaub gesagt ziemlich tollen) Bilder von dem Objektiv versprochen habe.

    Gruß,

    Martin

  6. Nachtrag/Erkenntnis:

    Kurz nachdem ich meinen Kopf auf’s Kissen gebettet habe, wurde wohl der Kopf auch schon besser durchblutet und ich konnte mir selbst die Antwort auf meine Frage c) geben: Sensorgröße !!!

    Nachdem hier bei diesen Bildern das Magic an einer Sony NEX zum Einsatz kam, ist der größere Unschärfebereich durch den größeren APS-C Sensor der Sony (und damit einer geringeren Tiefenschärfe) zu erklären.
    Da ich das Magic an einer Olympus E-P1 mit MFT Sensor nutze, fällt der Unschärfebereich (und damit die kreativen Effekte) leider etwas geringer aus.
    Dafür gewinnt das Magic dadurch an Schärfe bereits bei Offenblende.

    Ob der schwergängige Blendenring und das komplette Schließen der Blende nun normal ist, würde mich weiterhin interessieren.

    Außerdem habe ich irgendwo gelesen, dass das Magic 35/f1,7 (ursprünglich ja eine CCTV Linse) noch ein kleines Brüderchen im Brennweitenbereich 25mm haben soll.

    Besteht hier Aussicht, dass auch diese Linse festes Bajonett erhält ?

    Gruß,

    Martin

  7. Hallo Martin,

    ich habe grade mal 2 Minuten Zeit und Dir zu antworten, die Photokina stresst grade etwas und ist ein wahrer Zeitfresser.

    Freut mich, dass Dir meine Bilder gefallen🙂

    Du hast es selbst erkannt, es hat wahrscheinlich etwas mit der Größe des Sensors zu tun, u.A., ich habe natürlich auch mit Bildbearbeitung, wie im Text erwähnt, farblich alles so gemacht, wie es mir gefällt – mache ich aber grundsätzlich so😉

    Es ist richtig, dass die Blende ganz abgeblendet einfach schließt, was nicht weiter beunruhigend ist und keinen Defekt darstellt. Die Blende schließt tatsächlich etwas schwergängig und hat keine Rastpunkte, aber lass Dir gesagt sein: Die besten Effekte, wie Du oben sehen kannst, macht man bei Offenblende, der Rest ist nur das Scharfstellen: Die Besonderheit der Schärfe kommt durch das Einstellen eben Dieser.

    Von einem kleinen Brüderchen mit 25mm ist mir nichts bekannt. Hast Du da eine Quellenangabe?

    Ich glaube aber, je weitwinkliger die Brennweite wird, desto mehr tritt auch der besondere Schärfeeffekt des SLR-Magic zurück. So eine Optik für eine Vollformatkamera wäre etwas, das ich mir noch wünschen würde.

    So, weiter gehts!
    Dieter

  8. Danke Dir für die Rückmeldung.

    Freut mich, dass die beiden von mir angesprochenen Punkte also zur Normalität des SLR Magic gehören.

    Je mehr ich das Teil verwende, desto besser gefällt es mir (und die Bilder davon).

    Selbst meine Frau, die normalerweise ein LensBaby-Hasser und Vertreterin der „Schärfe-über-den-kompletten-Bildbereich“ Fraktion ist, war von den Bildern mehr als angetan.

    Zum „kleinen Bruder“ fand ich z.B. dieses verkaufsangebot:
    http://www.bhphotovideo.com/c/product/546271-REG/Pentax_C22525KP_C22525KP_1_C_Mount.html

    Klar, die Effekte wären durch den brennweitenbedingten größeren Tiefenschärfebereich wohl geringer, da aber gerade am MFT Sensor der PENs die Schärfe bei Offenblende bereits sehr gut ist, wäre das 25mm mit entsprechendem Bajonett mit seiner Lichtstärke von f/1,4 eine erschwingliche manuelle Linse mit umgerechnet 50mm Normalbrennweite an den PENs.

    Viel Spaß dann auf der Photokina,

    Martin

    Vielleicht mal

  9. Pingback: Deichmanns Aue» Blogarchiv » SLR MAGIC 35mm f1.7

  10. Ja, diese kleine Linse macht schon Spaß. Interessant finde ich, dass ich die unterschiedlichen Schärfebereich bei meinem Exemplar nicht feststellen kann. Da ist alles so wie es sein soll: wenn ich aufblende, ist die Schärfentiefe eben knapper und ich kann die Schärfe dahin legen, wo ich sie haben möchte. Ich nutze das 1.7/35 übrigens auch an einer NEX.

    Eine kleine Korrektur sei erlaubt: Die Vignettierungen haben nichts damit zu tun, ob man nun ein C-Mount-Objektiv per Adapter an eine NEX bringt, oder ob nun der „Adapter“ fest mit dem Objektiv verbaut ist, denn nichts anderes ist es bei dem „SLR Magic“. Ein Adapter, der passt, verursacht keine Eckabdunklungen! Ich darf das sagen, meiner passt jedenfalls. Das 1.7/35 ist einfach mit einem ausreichend großen Bildkreis berechnet worden, so dass es einen APS-Sensor voll abdeckt.

  11. Sehr schöne Fotos, gefallen mir sehr.
    Dazu hätte ich allerdings noch Fragen:
    1. In welchem Format wurden sie aufgenommen? Raw bestimmt, oder?
    2. Mit welchem Programm wurden sie bearbeitet?
    3. Wurden die Bilder nachträglich noch unschärfer gemacht, oder haben Sie nur an Sättigung und Co. rumgeschraubt?

  12. Hallo,
    ich habe eine Frage zu dem Objektiv und hoffe, damit bin ich hier richtig. Ich bin noch auf die SLR magic toys lens gestoßen und frage mich nun, wo genau der unterschied zwischen den beiden liegt. Ich möchte gerne ein Objektiv durch das ich größtenteils Portraits noch etwas interessanter gestalten kann oder auch Architektur-Fotografien, sind in diesem Fall beide Objektive geeignet? Mir kommen die Ergebnisse der Toy Lens etwas extremer vor, aber vielleicht ist das auch nur eine Frage der Einstellung…in diesem Fall an der Kamera😉

  13. Hallo Karoline,

    der Unterschied ist die höhere Lichtstärke (f/1.7 zu f/1.4), bzw. die damit einhergehende, geringere Tiefenschärfe. Auf der Produktseite der Magic Toy Lens findest Du einen Link auf eine Seite von Steve Huff, der damit ein paar Bilder auf seinem Blog zeigt. Ich finde, das Bokeh, also die Unschärfe im Hintergrund, sieht einen Tick anders aus, als mit dem f/1.7er, da täuscht Dein Eindruck nicht: Die Bilder wirken etwas „extremer“ in der Anmutung.

    Welches von beiden Du auch wählen wirst, überraschen tun sie beide und kreativ sind sie alle mal🙂

    Was den speziellen Verwendungszweck angeht: Erlaubt ist, was gefällt, dass ist ja grade das Tolle daran, wenn man mit so einem „Anti“-Objektiv seine Bilder macht😉

    Gruß
    Dieter

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s