Besuch beim Lumix-Festival

Von Ilka Siegling

Zum zweiten mal fand in Hannover das Lumix-Festival für jungen Fotojounalismus statt und zum ebenfalls zum zweiten mal habe ich diese Veranstaltung besucht. Zum dritten mal, kann ich behaupten. Denn mit einem Besuch ist es nicht getan.

eingangshalle

Eingangshalle, morgens noch leer

Die ausgestellten Reportagen sind vielfältig und thematisch breit gestreut. Geht es in einem Beitrag um Elend in Slums oder Krieg, behandeln andere Beiträge die Alltäglichkeit, die wir um die Ecke finden (können, wenn wir nur die Augen aufhalten); beispielsweise in Freizeiparks oder auf dem letzten Bauernhof im Hannoverschen Stadtgebiet. Was auch die Blicke der jungen Fotojournalisten auf sich gezogen hat, sie gewähren sehr nahe, persönliche, nahezu intime Einblicke in Orte und Schicksale.

nähe

Beobachtung aus nächster Nähe

Sehr nahe müssen die Fotografen den Menschen ihrer Reportagen gekommen sein. Intime Momente, lebendig, fesselnd eingefangen, das geht nicht mit einem rein dokumentarischen Blick. Sie portraitieren. Nicht dabei, nicht nur gesehen, sie sind mittendrin, erleben, sind Teil der Szenerie, Teil einer Familie. Bilder, intensiv, packend, lebendig. Sehr privat. Der Betrachter der Fotos ist nicht unangenehm berührt, keinen Moment kommt der Gedanke an Voyorismus. Es ist das Gefühl, man erlebt bestimmte Momente mit.

betrachten

Betrachten, Distanz wahren, Nähe spüren

Sehr nahe gingen mir viele der Berichte, ich tauche ein in eine mir fremde Welt. Weniges kennt man aus den Tagesnachrichten und selbst dies wirkt intensiver. Nur ein Sinn, die Augen werden angesprochen. Reduktion und darauf beruhend eine wahnsinnige Intensität. Das eigene Tempo kommt zum tragen, die Wirkung kann sich voll entfalten.

Alle 60 Reportagen an einem Tag anzusehen war mir nicht möglich. Zu packend, die einzelnen Geschichten, immer länger die Momente, die ich brauche, aus einer Welt zurück in die reale zu kommen und Bereitschaft für die nächste zu entwickeln. Nach vier Stunden intensiven Betrachtens war meine Grenze erreicht. Pause. Auszeit. Kaffee. – Sprachlosigkeit.

pause

Pause

Es ist schwer, in Wörtern zu beschreiben, was Bilder vermitteln können, was diese Bilder vermitteln.

Den zur Ausstellung erhältlichen Katalog, ich habe vergessen ihn zu kaufen. Halte ihn dennoch heute in Händen. Für alle anderen Vergesslichen oder Interessierten, er ist in Hamburg in der Buchhandlung der Deichtorhallen erhältlich.

Ein Gedanke zu “Besuch beim Lumix-Festival

  1. Wirklich schön beschrieben. Leider war es mir nicht möglich dieses Jahr hinzufahren. Aber das 3. Lumix Festival werde ich garantiert besuchen. Hast du vielleicht noch einen Tipp wo ich den Katalog online erstehen kann. Hamburg ist dann für einen Hessen doch etwas weiter weg😉

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